Das Trottoir ist ein Gehweg und kein Fahrweg

Das Trottoir ist ein Tummelfeld: Fussgänger, Skate- und Kickboarder, Rollschuhfahrer sowie Velo fahrende Kinder im vorschulpflichtigen Alter teilen sich heute die Gehwege. Jetzt will der Bund sie für eine weitere Gruppe öffnen: Neu sollen auch Primarschüler mit ihren Fahrrädern das Trottoir benützen dürfen – sofern kein Radweg vorhanden ist. Die Alterslimite wird auf zwölf Jahre angesetzt.

Trottoirs sind für die Sicherheit der Fussgänger da. Die Pläne des Bundes setzen diese aufs Spiel. Er will noch dieses Jahr die umstrittene Velo-Fahrerlaubnis auf Trottoirs für Heranwachsende erteilen. Dies trotz massiver Kritik von Fussgänger-, Behinderten-, Senioren- und Umweltorganisationen.

Auch die VASOS, der Verein aktiver Seniorinnen und Senioren, ist dezidiert dagegen. Velos auf Trottoirs bedeuten eine Gefahr für Kleinkinder, für Seh- und Hörbehinderte, für Leute, die mit Rollator oder Krücken unterwegs sind und für ältere Menschen generell. Schon fühlen sich Leute verunsichert, wenn sie auf dem Trottoir von Trottinett- und Rollbrettfahrenden Kindern überrascht werden. Eltern mit Kinderwagen ziehen in solchen Momenten ihr Kleinkind erschreckt zu sich. Dass Vorschulkinder heute mit Spielzeugvelos und sonstigen fahrzeugähnlichen Geräten auf dem Trottoir fahren dürfen, versteht sich von selbst. Meist ist ja auch ein Elternteil dabei, der schon nur durch seine Präsenz zur Vorsicht mahnt. Aber wenn nun grosse Kinder, also Heranwachsende bis zum 12. Altersjahr Trottoirs befahren dürfen, wird es eindeutig gefährlich. Denn machen wir uns nichts vor, Grosse fahren gerne schnell – und Ermahnungen zu Vor- und Rücksicht verfliegen allzu leicht im Wind.

Verstehen Sie mich nicht falsch – auch ich bin Mutter und der Schutz der Kinder und Jugendlichen ist mir ein Herzensanliegen. Aber ich meine, behördliche Massnahmen haben die Sicherheit für alle zu gewährleisten. Natürlich die der Kinder, aber selbstverständlich auch die von Betagten, Behinderten und Familien mit Kleinkindern. Was der Bund hier plant, widerspricht nicht nur diesem verfassungsmässigen Auftrag, sondern führt dazu, dass viele aus Sicherheitsüberlegungen entweder wieder mehr das Auto nehmen oder sich aus dem öffentlichen Raum zurückziehen. Beides kann nicht das Ziel sein.

Aus Sicht der VASOS ist der öffentliche Raum für alle da. Trottoirs sollen in erster Linie den Menschen, die zu Fuss unterwegs sind, Sicherheit bieten und sind als Verkehrs- und Übungsweg für Heranwachsende nicht geeignet. Wie lässt sich ein sicheres Miteinander organisieren? Eine Möglichkeit wären getrennte Wege für Fussgänger/innen und Velofahrende, indem man Trottoirs mit Fahrstreifen verbreitert und Quartierstrassen so gestaltet, dass der Autoverkehr mehr Rücksicht nehmen muss auf schwächere Verkehrsteilnehmende. Auch hier bitte ich Sie, mich nicht falsch zu verstehen: Ich fahre sowohl Auto wie auch Velo und bin gerne zu Fuss unterwegs. Es geht mir also nicht um Eigeninteressen, sondern um Sicherheit für alle. Denn Lösungen, die dazu führen, dass Bevölkerungsgruppen gegeneinander ausgespielt werden, sind weder nachhaltig noch dienen sie einem Generationen übergreifenden Miteinander. Wir fordern den Bundesrat auf, Verkehrsmassnahmen zu treffen, die der ganzen Bevölkerung, unabhängig von Alter und physischer Gesundheit Sicherheit bieten.

Bea Heim, ehem. SP-Nationalrätin, Co-Präsidentin VASOS, Vereinigung aktiver Seniorinnen- und Seniorenorganisationen

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