Im Alter auf den Hund kommen, eine persoenliche Geschichte dazu

  • Hund ja oder nein.
  • Bin ich zu alt?
  • Welpe oder aus dem Tierheim?
  • Wenn Hund ja - welche Rasse eignet sich am besten?
  • Gesetze und Vorschriften, Gebräuche und Sitten in der Nachbarschaft.

Die Kinder waren aus dem Haus, der Alltag wurde ruhig und still. Zwar hatten mein Mann und ich nun unser Haus mit Umschwung, darin sich Enten und Hühner tummelten. Im Haus begleiteten uns zwei Katzen, im Frühling jeweils mit ihren Jungen – aber es fehlte immer noch ein Hund.

Wir sind beide mit Hunden aufgewachsen und wussten ziemlich genau, was wir wollten. Es sollte ein grösserer Hund sein − kein allzu quirliger − eher ein ruhiger, gemütlicher Hund sollte es sein. Ein Berner-Senn wäre ideal und würde genau in unser Leben und zu unserem Haus passen.Wir schauten uns etwas um … und dann kam Ronja zu uns. Ronja, Berner-Senn x Bernhardiner, die grosse Hündin meiner Tochter suchte einen Platz. Ihre kleinen Kinder waren wichtiger geworden und es blieb keine Zeit und Kraft mehr übrig für Ronja.

Ronja war genau richtig für uns älter werdende Menschen. Sie war 5 Jahre alt und gut erzogen. Wir kannten ihr Macken und auch ihre Talente und Ronja würde in der erweiterten Familie bleiben können. Ronja konnte Wagen ziehen. Das nutzten wir aus und bauten unseren Leiterwagen zum Zugwagen um. Mit Begeisterung zog Ronja meine Einkäufe jeden Samstag durchs Dorf und wenn die Enkelkinder zu Besuch kamen, fuhren wir auch die Kinder aus. Ronja bereicherte unser Leben ungemein. Sie wurde 11 Jahre alt. Schweren Herzens mussten wir sie dann altershalber gehen lassen.

Selbstverständlich wollten wir nach kurzer Trauer-Zeit wieder einen Hund, diesmal aber einen Welpen und ein Rüde sollte es sein.Wir wollten uns ganz der Erziehung widmen und uns am Aufwachsen eines Welpen freuen. Wir wollten einen möglichst gesunden Hund mit gutem Charakter. Die Herkunft unseres Hundes sollte fachkompetent kontrolliert sein. Wir wollten einen Hund aus einer guten Zucht mit international anerkannten Papieren. In der gleichen Woche begegneten meinem Mann und mir unabhängig voneinander ein grosser weiss-schwarzer Hund. Wir dachten beide, das seien zweifarbige Berner-Sennen. Wir sahen das als Zeichen und Omen und machten uns auf die Suche nach einem Landseer. Der zuständige Rasseverein wies uns an eine Zucht, die gerade 10 Tage alte Welpen hatte. Dort durften wir uns einen Junghund aussuchen. Zwei von den acht Wollknäueln waren noch zu haben.

Einer der beiden kam zu mir gekrochen, ein anderer zu meinen Mann. Erstaunlicherweise – oder Fügung? – waren das die beiden, die noch zu vergeben waren. Wir entschlossen uns dann für den Welpen, der mich ausgesucht hatte, weil ich die meiste Zeit und Arbeit mit dem Hund verbringen und übernehmen sollte. Wir durften unserem Kyro seinen Namen geben und ihn so viel wir wollten besuchen. Mit 12 Wochen kam der nun schon stattliche Welpe von ca 15 kg zu uns. Wir meinten damals, wir seien bestens informiert über den Charakter der Landseer und was diese Rasse braucht oder eher nicht braucht. Eine konsequent, liebevolle Erziehung. Das interessierte mich als Musikpädagogin sehr. Dennoch machte ich eine Menge Fehler mit Kyro, was mir damals nicht bewusst war. Auch die Hundeschule bei der Züchterin half nicht weiter. Ich lernte dort eher noch mehr Problem-Themen kennen!

Ich engagierte mich im Rasseverein, daneben machte ich eine Weiterbildung zur Hundeerziehungsberaterin nach der Philosophie von Natural Dogmanship® (HEB). Ich konnte einfach nicht glauben, dass man einen Landseer nicht, oder nur bedingt, erziehen kann! Erst in der HEB-Ausbildung wurde mir klar, was Landseer wirklich für Hunde sind, welchen Charakter in ihren Genen mehr oder weniger versteckt liegt und welche Bedürfnisse die Landseer, im Besonderen Kyro hatte. Viele Fehler die ich mit Kyro gemacht hatte konnte ich verbessern, was ihm Erleichterung brachte. Einiges war schon so verfestigt und liess sich nicht mehr korrigieren. Kyro war vom Charakter her ein äusserst liebevoller Hund und bereitete uns sehr viel Freude. Ausser bei den Hundebegegnungen, die blieben schwierig bis zuletzt! Leider mussten wir ihn schon mit 7½ Jahren gehen lassen. Er hatte ein nicht therapierbares Rückenleiden und die Schmerzen wurden zu gross.

margrith bucher 1Nach meiner Ausbildung zum HEB wollten wir einen zweiten Hund. Wir fanden es täte Kyro auch gut, mit Jungtieren und mit Kindern konnte Kyro sehr gut umgehen, das war eines seiner Talente. Auch wollte ich gerne mein eben erlerntes Wissen mit einem Welpen umsetzen. Aus dem einen Welpen wurden dann zwei Welpen: Romeros und Sereno

Kyro war mit seiner ruhigen Art wunderbar für die beiden Kleinen. Alles Gute durfte Kyro den beiden Junghunden vorleben. Bei seinen Schattenseiten achtete ich darauf, dass er sie nicht an Romeros und Sereno weitergab.Die Erziehung beider Welpen miteinander war eine echte Herausforderung und kann ich niemandem empfehlen! Es ist ein 24 Stunden-Job und das mindestens zwei Jahre!

Trotzdem,- oder gerade wegen dieser Intensität mit den drei Hunden, es war irgendwie meine schönste Zeit mit Hunden….   

Romeros und Sereno erhellten damals meine Trauer um Kyro sehr. Auch in der letzten äusserst schwierigen Lebensphase mit meinem Mann und nach seinem Tod halfen mir die beiden immens. Mein Tagesablauf war geregelt durch die Betreuung der beiden Hunde, ich hatte Verantwortung und Aufgabe und die beiden zauberten Tag für Tag ein kleines Lächeln in mein Herz, an dem ich mich festklammerte.  

margrith bucher 3Nach meinem Burnout halfen mir die Hunde nicht zu verzweifeln an meiner Gedankenschwäche. Ich musste mich konzentrieren auf die Kommunikation mit den beiden. Diese Konzentration half auch, dass mein Gehirn letztendlich wieder ganz gesund wurde. Im Moment leben wir drei auf der ostfriesischen Insel Juist, wo wir nach einem Langurlaub «hängen geblieben sind» für ein paar Jahre – und vielleicht für immer. Romeros und Sereno sind mittlerweile 7 Jahre alt und mir wunderbare Lebensbegleiter. Die konsequent-liebevolle, äusserst intensive Erziehung trägt Früchte. Wir drei sind überall gern gesehen und gelten als gutes Beispiel, wie man als gesellschaftskompatibles Team miteinander unterwegs sein kann. Romeros und Sereno sind gelassene und absolut souveräne Hunde. Jeden Tag geniessen wir miteinander die Ruhe, die Stille, die Natur auf der Insel und hoffen, dass wir noch lange miteinander leben dürfen und unseren Lebensabend miteinander geniessen können.   

Im Alter noch einen Hund, ist das sinnvoll oder lieber doch nicht?

Ist Senior bereit seinen Alltag mit einem Hund zu teilen, steht dem nichts im Wege und ich kann es nur empfehlen. Sich um ein Lebewesen zu kümmern, Verantwortung für seinen Hund zu übernehmen gibt uns Senioren neuen Lebensinhalt, hält uns körperlich und mental fit. Und das Wichtigste: ein Hund zaubert uns ein Lächeln ins Herz!

Allerdings kostet ein Leben mit einem Hund auch einiges an Aufwand. Ein Hund ist ein Lebewesen und keine Ware. Ein Hund braucht nicht nur gutes Fressen und ein Körbchen, ein Hund braucht Zuwendung, ein Hund hat auch ein Recht auf Erziehung. Es ist notwendig dass der zukünftige Hundebesitzer die Bedürfnisse seines Hundes kennt und stets bemüht ist, diesen auch gerecht zu werden! Sinnvoll ist, dass man sich einen Hunde-Paten aussucht, der da ist für den Hund, wenn sein Mensch aus irgendeinem Grund ausfällt, sei das bei Unpässlichkeit, bei einem Arztbesuch, während einer Kur oder dem Urlaub. Einen Hunde-Paten der auch bei Eintritt ins Pflegeheim oder bei Todesfall bereit ist für den Hund zu sorgen. Am besten geeignet für eine solche Patenschaft ist sicher die Familie. Es können auch Freunde oder Kollegen sein, bei denen der Hund gut aufgehoben ist. Oder eine Nothilfeorganisation, welche sich seriös um Umplatzierungen kümmert. (Um Romeros und Sereno, würden sich im Notfall meine Familie, meine Freundin und die Landseer-Nothilfe kümmern.) Der finanzielle Aufwand sollte beachtet werden. Es fallen Hundesteuern an, Haftpflichtversicherung, dann Tierarztbesuche, Hundeschul-Kosten, Futterkosten, Materialkosten ...  Es ist eine ganz besondere Herausforderung sich auf ein neues Leben mit einem Hund einzulassen. Ist Mensch dazu bereit, ist das wunderbar bereichernd für Senior und Hund.

Ein Rassehund, ein Welpe oder ein Hund aus dem Tierheim?

Die Hunde-Zucht wird von Rassevereinen kontrolliert. Die Hunde bekommen von kynologischen Vereinen und Organisationen, die sich auch international austauschen, anerkannte Papiere. Die Züchter der Rassevereine bekommen einige Auflagen bei der Zucht ihrer Hunde und werden von den Rassevereinen kontrolliert. Einige Rassevereine haben auch eine Notfallorganisation, welche sich um ihre Rassehunde kümmert in Notfällen oder bei Umplazierungen. Welpenkäufer werden beraten, oft auch richtiggehend getestet von den Züchtern. Und selbstverständlich dürfen Welpenkäufer den Züchter und seine Arbeit kennen lernen. Ein guter Züchter bleibt auch nach dem Verkauf seiner Welpen für die Welpenkäufer ein guter Rategeber bei Krankheiten, Haltung und der Erziehung der Hunde. Manchmal ergeben sich ganz wunderbare Freundschaften, so dass die Welpen/Hunde ihr ganzes Leben lang mit ihrer Kinderstube in Verbindung bleiben dürfen. 

Gerade ältere Menschen neigen oft zu Mitleid mit den armen verlassenen Hunden in den Tierheimen. Sie mögen sich sogar ein bisschen mit den verlassenen Hunden identifizieren und finden dann ihren vierbeinigen Begleiter im Tierheim. Das kann tatsächlich eine feine Beziehung werden. Mensch und Hund können sich aneinander gewöhnen und eine wunderschöne Zeit miteinander erleben. Senioren haben lange Lebenserfahrungen, dadurch oft die notwendige Geduld einen Hund-mit-Geschichte zu verstehen, um dann seinen Bedürfnissen auch gerecht werden zu können. Mit einem Tierheim-Hund kann das aber auch ganz arg schief gehen!

Die Geschichten und die Herkunft von Tierheim-Hunden sind oft nicht, oder nur ungenügend bekannt, oder deren Wahrheitsgehalt lässt zu wünschen übrig. Ganz besonders bei Hunden, die aus dem Ausland importiert werden. In einigen Ländern ist der Welpen-Handel leider ein lukratives Geschäft geworden. Hunde werden dort oft fürchterlich zur Welpen-Produktion missbraucht, die Welpen werden mit fragwürdigen Papieren ausgestattet um legal importiert werden zu können. Manchmal haben solche Hunde Krankheiten, welche erst nach und nach erscheinen, die Welpen werden oft viel zu früh der Hunde-Mama weggenommen und sind oft stark traumatisiert. Auch wenn eine gute Tierschutzorganisation dahinter steht muss man sich bewusst sein, dass die Nachfrage den Markt macht!

In guten Tierheimen darf man sich erst einmal vertraut machen mit einem Hund. Man wird nach bestem Wissen und Gewissen beraten, informiert und selbstverständlich auch geprüft, ob man dem Hund gerecht werden kann. Ebenfalls ist eine Nachbetreuung gewährleistet.
Absolut abzulehnen ist der Schwarzhandel von Welpen, den es leider auch gibt! Welpen werden dann an dubiosen Orten von einem Kofferraum in den anderen als Billig-Rassehunde verkauft! Bitte NIEMALS einen solchen Welpen bei sich aufnehmen!

Wenn Hund ja – welche Rasse eignet sich am besten?

Wir Menschen haben meistens ein Bild in uns, wie denn unser Hund aussehen müsste. Nun gilt es zu prüfen, ob das Bild das wir von einem Vierbeiner haben, auch wirklich zu uns passt. Ein bisschen Rassekenntnis kann man sich heute im Internet aneignen. Bei Mischlingen sollte man ungefähr wissen welche Rassen in ihm drin vermischt wurden. Stammt der Hund eher aus einer quirligen oder einer ruhigen Rasse, wie gross darf der Hund sein, ist der Hund eher ängstlich oder eher frech oder besitzergreifend/territorial, braucht er viel Auslauf oder mag er gar nicht spazieren gehen?  Welches sind seine speziellen Talente, Neigungen, Bedürfnisse rassebedingt und individuell? Das sind alles Themen, die nicht nur Senioren vor dem Hundekauf sorgfältig abwägen sollten, sondern jedermann, der einen Hund bei sich aufnehmen möchte! Dazu kann und sollte jeder Mensch sich von kynologischen Fachpersonen wie Hundetrainern, Hundeerziehungsberatern umsichtig beraten lassen, welche dann auch bei Alltagsthemen helfend und beratend zur Verfügung stehen. Vielleicht ist es möglich, gemeinsam mit der Fach-Person den Hund besichtigen zu gehen.

Gesetze und Vorschriften, Gebräuche und Sitten in der Nachbarschaft

Leider gibt es keine allgemein gültigen Hundegesetze. Jede Gegend, fast jede Gemeinde, Kanton, Landesteil hat seine eigenen Vorschriften zur Haltung von Hunden, betreff Leinenpflicht, Maulkorbpflicht, Erziehung, Hundehaltung allgemein. Am besten erkundigt man sich bei der Gemeinde, oder einer kynologischen Fachperson, einem kynologischen Verein, was die Vorschriften verlangen. Meistens können Gesetze und Vorschriften auch im Internet abgerufen werden. Ebenfalls sollte sich der Hundebesitzer mit dem Tierschutzgesetz betreff Hunde/Hundehaltung beschäftigen.Ganz wichtig ist sich mit den Nachbarn, dem Hausbesitzer auszutauschen und abzuklären, ob ein Hund auch angenehm ist, wie und wo ein Hund überhaupt erlaubt ist. 

Ein wichtiger Punkt im gesellschaftlichen Alltag mit Hund ist der allgemein übliche Hunde-Anstand. Dazu gehört: wie begegne ich mit meinem Hund anderen Menschen, im besonderen Kindern, wie begegne ich anderen Hundehalter mit Hund, wo darf mein Hund was ohne dass ich störe? Für den Hund sind soziale Kontakte mit artgleichen Hunde-Kollegen wichtig. Auch Hund möchte ab und an mit Gleichgesinnten kommunizieren, interagieren, zusammen sein. In jeder Hundeschule, bei jedem Hundeerziehungsberater und in kynologischen Vereinen/Gruppen ist der Hunde-Anstand bekannt und wird oft viel-diskutiert. Austauschen mit Gleichgesinnten ist immer bereichernd und sehr zu empfehlen!

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Die Autorin Margrith Bucher mit Romeros und Sereno auf der ostfriesischen Insel Juist. Foto: zvg

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