Es hat sich ausgetwintet. digitec.ch nimmt Stellung

Beim grössten Online-Händer der Schweiz, digitec.ch, kann ab sofort nicht mehr mit Twint bezahlt werden. Ein herber Verlust. digitec.ch erklärt nun warum es zu diesem drastischen Schritt gekommen ist. 

«Der Zahlungsdienstleister Twint hat uns seinen Service abgeschaltet. Der Grund: Wir wollten euch keine Gebühren oder versteckte Kosten zumuten.

Der Schritt hat sich seit Monaten abgezeichnet: Twint wollte uns eine Zahlungsgebühr aufzwingen, die bei einem Vielfachen des bisherigen Preises liegt. Wir haben uns geweigert, die Offerte anzunehmen. Schliesslich hätten wir die Mehrkosten auf unsere Kunden abwälzen müssen – über generell höhere Preise oder über eine nicht zeitgemässe Gebühr für Twint-Zahlungen.

Prinzip Giesskanne? Ohne uns! Wir bedauern den Schritt von Twint. Twint war bis zuletzt nach Kreditkarte und Rechnung das drittpopulärste Zahlungsmittel der digitec- und Galaxus-Kunden. Im Jahr 2015 gehörten wir zu den ersten, die die neue Zahlungsoption anboten. Wir entschieden uns für Twint, weil das Unternehmen mit dem Anspruch antrat, sich als günstiges alternatives Zahlungsmittel zu etablieren. So war ursprünglich angedacht, dass man in der Twint-App nur das Bankkonto hinterlegen kann – nicht aber teure Kreditkarten. Es kam anders.

Ende Mai 2016 fusionierte Twint mit der Konkurrentin Paymit. Neu gehörten zu den Eigentümern von Twint nebst PostFinance auch die UBS, die ZKB, die Schweizer Börse SIX und der französische Zahlungsdienstleister Worldline. Nach dem Zusammenschluss wollte unnötigerweise jede Bank eine eigene Twint-App haben. Unter anderem diesen Extra-Aufwand wollen die Aktionäre nun durch die Preiserhöhung wieder hereinholen. Doch was können wir oder unsere Kunden dafür, dass Twint geschätzt eine halbe Milliarde für eine vereinfachte Banküberweisung verbrannt hat?

Zudem einigten sich die Twint-Eigentümer darauf, dass die den Händlern belastete Kommission teilweise an die Bank weitergereicht wird, deren App benutzt wird. Damit überhaupt Geld zum Verteilen da ist, war Twint noch stärker genötigt, seine Preise zu erhöhen. Dagegen haben wir uns gewehrt und bis heute nicht nachgegeben.

Wir wünschen uns ein entschlacktes Twint zurück, mit dem wir und vor allem unsere Kunden günstig bezahlen können.

Ergänzung am 2.3.2020

Twint hat uns in einem Communiqué am 1. März vorgeworfen, «unwahre Informationen» zu verbreiten. Insbesondere schreibt Twint-Chef Markus Kilb, das Unternehmen verlange im Vergleich zu Kreditkarten und anderen Zahlungsanbietern günstige Transaktionsgebühren. Gegenüber dem Newsportal Watson sagte Kilb: «Uns sind keine Fälle bekannt, in welchen Gebühren von Twint höher als Kreditkarten wären.» Dem Tagesanzeiger sagte Kilb zudem, dass Twint weiterhin offen sei, über eine faire Vergütung zu sprechen.

Tatsächlich verlangt Twint von Digitec Galaxus eine Zahlungsgebühr, die höher ist als die meisten bei uns genutzten Zahlungsoptionen. Selbst manche Kreditkarten sind bei uns günstiger als die Twint-Offerte. Und das, obwohl die Twint-Nutzer grösstenteils ihr Bankkonto hinterlegt haben – und nicht eine vermeintlich teure Kreditkarte. Wir finden: Twint hat im Onlinehandel nur eine Daseinsberechtigung, wenn die Dienstleistung klar günstiger ist als die der Kreditkarten.

Von Verhandlungsbereitschaft seitens Twint kann ausserdem nicht die Rede sein: Twint beharrt seit Monaten auf einem neuen, um Faktoren höheren Preis, der für uns nicht akzeptabel ist. Und das Unternehmen ist nicht zu einem Kompromiss bereit. Twint hatte uns 2015 mit dem Versprechen überzeugt, dass sie als Debitlösung mit günstigeren Konditionen gegen die hohen Kreditkartengebühren antreten wollen. Dieses Versprechen konnte Twint nun leider nicht mehr einlösen. Weil wir den neuen Vertrag nicht annehmen wollen, hat uns Twint seinen Service abgeschaltet.

Wir sind für Gespräche mit Twint weiterhin offen. Wir bedauern, dass eine für unsere Kunden beliebte Zahlungsoption weggefallen ist.»

haemmerli digitec
Senior Public Relations Manager, Zürich
 

 

Kommentar von Roland Peter

Twint als Zahlungsmittel habe ich erst kürzlich entdeckt - bei digitec.ch. 

Und ich war hell begeistert. Endlich eine Lösung, die ohne Kreditkarte funktioniert. Der geschuldete Betrag wird ohne Verzögerung meinem Bankkonto belastet. Zudem ermöglicht Twint das Bezahlen ohne die Angabe von persönlichen Finanzinformationen des Nutzers.

Das soll nun nicht mehr möglich sein? Leider ja. Als Landbewohner ohne vernünftigen ÖV-Anschluss bin ich ab und zu froh, gewisse Dinge im Online-Shop bestellen zu können. Eine Kreditkarte besitze ich aus Überzeugung keine. Also war Twint die ideale Lösung. 

Das Gestürm der beiden (digitec.ch und Twint) betriff mich als Kunde direkt. Und es nervt. Die sturen Böcke in den Chefetagen vollführen einen Kindergartentanz. Kundenfreundlich ist das nicht. Beide streben doch nur nach Gewinnmaximierung. Und mich zwingen sie, wieder vermehrt mit dem Auto einkaufen zu gehen, oder einen anderen Online-Shop zu suchen, zB. brack.ch, der allerdings etwas höhere Preise hat. 

digitec.ch soll doch die höheren Gebühren den Twint-Benutzern belasten. Und es mir als Konsument überlassen, ob ich das aktzeptieren will oder nicht. digite.ch schreibt von «versteckten Kosten», die der Shop uns Konsumenten nicht «zumuten» will. Warum versteckt? In so seinem Fall erwarte ich eine offene, transparente Information und kein Versteckspiel. 

Also ihr beiden, setzt euch nochmals an einen Tisch und denkt an uns Konsumenten. Ich warte gerne auf eine positive Meldung.

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