Licht am Ende des Tunnels?

Corona: Zwischenhoch – oder Zwischentief?

Für viele war das Jahr 2020 angsterfüllt und voller Sorgen um die Zukunft. Paul J. Lutz sieht aber ein Licht am Ende des Tunnels.
 |  Paul J. Lutz  |  Kolumne

Liebe Leserin, lieber Leser,

Das Neue Jahr hat begonnen. Es ist Mitte Januar 2021.Was wird es uns bringen?

Nun ja: Wenn wir zurückschauen auf das vergangene Jahr – und es ist noch nicht einmal ein Jahr her, sondern bloss zehn Monate –, war es rückblickend ein Wechselbad zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Und für viele gar die tiefste Enttäuschung und grosse Angst, verloren zu gehen oder zu sein oder vergessen zu werden und dieses neue Jahr nicht überleben zu können – geschäftlich nicht, am Arbeitsplatz nicht, gesundheitlich nicht, in den strapazierten Beziehungen in der Familie mit Partnerin oder Partner nicht, mit den Kindern, die endgültig die Nase voll von allem haben (ist ja auch ihr gutes Recht!) nicht – und dazu all diese zerbrochenen Hoffnungen, und dass alles Gesparte aufgebraucht worden und weg ist, auch die Liebe, das Geld, der Besitz, das Haus, das Auto, die Kündigung der Hypothek und der Lebensversicherung – und dass jetzt unweigerlich der tiefe Fall kommt in die Armut, in die Verarmung, in die Abhängigkeit von Almosen von fremden Menschen, die uns vorwerfen, dass wir früher hätten sparen sollen, statt zu leben und Geld zu verbrauchen, und zu konsumieren, oder zu investieren, in der Hoffnung, das Unheil doch noch abwenden zu können oder gar, dass es allen besser gehen würde.

Und was ist jetzt? Und worin besteht die teils beschworene, teils geschürte Hoffnung auf ein absehbares Ende der Krise?

Wir rasen durch den berühmten Dürrenmatt'schen Tunnel und erleben den schrecklichen Einbruch einer alten und die Begegnung mit einer neuen, bisher unbekannten Realität. Dabei ist es eigentlich bloss ein harmloser Tunnel, wo der Zug bloss hindurch will um wieder ans Tageslicht zu gelangen. Ja. In der Gefahr im Tunnel stecken zu bleiben oder dabei abzustürzen befinden sich viele Tausende Schweizerinnen und Schweizer, und Europäer, und weltweit Millionen von flüchtenden Menschen, die an unsern europäischen Aussengrenzen Grenzen gestrandet sind und auf die Arche hoffen, die sie aufnimmt.

Doch diese Arche ist längst ausgebucht. Die Schotten sind dichtgemacht. Niemand wird mehr eingelassen und kann auf dem gebuchten Sitz Platz nehmen um während der kommenden 42 Tage und Nächte (so lange dauerte die biblische Sintflut) ruhig zu warten, bis die Wasser abgeflossen sind und das Licht am Ende des Tunnels wieder erscheint und der Morgen der Menschheit (Stanley Kubrik) wieder anbricht. Und die es nicht geschafft haben, die vielen Andern die versunken sind in ihren Nussschalen im Meer und die nun auf dem Grund der Weltgeschichte treiben – und kein Gott und niemand ist da, der dafür die Verantwortung übernehmen will.

Ja, liebe Leserin, lieber Leser. Meine Gedanken kreisen um diese Bilder: Die Bilder des rasenden Zuges und der verschlossenen, versiegelten Arche. Damals, als Gott die erbschuldlosen ersten Menschen mitsamt der Schlange aus dem Paradies verwies in die Plage und in die Sterblichkeit, da sass der Engel mit dem Flammenschwert noch vor dem Tor und passte auf, dass niemand das Paradies betreten würde. Vielleicht hat er sich auf die Arche gesetzt und steuert nun diese letzte Bastion durch die Fluten des Weltozeans bis die Wasser wieder abfliessen und zu stillen Wassern werden. Oder hat auch er sich verabschiedet?

Es ist wie ein Gleichnis, das im übertragenen Sinn das menschliche Leben als Weg, als Reise beschreibt.

Wir sitzen im Zug und warten sehnsüchtig auf das Licht, das uns am Ende des Tunnels entgegenkommt. Wir starren nach vorne, damit wir das erlösende Licht ja nicht verpassen.

Zuerst kommt es vielleicht bloss als schummriges Licht daher, kaum wahrnehmbar, aber dann beginnt es – fast wie eine schmutzige Lichteinfärbung – aufzuflackern. Oder verlöscht es gar wieder? Denn Achtung! Wer weiss? Vielleicht existiert Corona gar nicht. Das würden uns die Mächtigen bloss vorlügen um im Hintergrund ihr Süppchen zu kochen und wehrlosen Kindern das Blut auszusaugen wie Vampire. Und weil es in solchen Zeiten – früher war es eine Sonnenfinsternis oder die Meteoriten, die auf die Erde flogen, dann die Vulkanausbrüche, die Hochwasser, die Hungerzeiten, die Pest, die Lepra, dann AIDS, bis zu den mutierten Viren wie Corona etc.–, immer wieder gab und gibt es Menschen, die die Apokalypse als Tatsache behaupten und als göttlichen Wink und die darin ein schauriges Geschick sehen, und die behaupten, dass nur sie, welche das Geheime Wissen hätten, gerettet und erlöst werden könnten. So wird an einer paranormalen Hoffnung herumgebastelt, welche die Menschen entsolidarisiert, sie zu Feinden erklärt und sie bekämpft. –

Nein! Nein! – Wir verstehen die Ängste schon, die von dunklen Mächten initiiert wurden, um uns den Glauben an das kommende Licht am Ende des Tunnels zu rauben. Darauf fallen wir nicht herein. Hoffnung ist ein zartes Pflänzchen, und Wahrheit bleibt stets schillernd. Genug der Lügen! Alles gehört auf den Prüfstand. Und eine alte Weisheit sagt: Irren ist menschlich! Darum sollen Wahrheitsansprüche, die behauptet werden, auch überprüft werden dürfen.

Und wir fahren im Zug. Das ist gut so. Jetzt bemerken wir es doch, das Licht im Tunnel. Endlich. Ja, es wird heller. Es ist objektiv sichtbar. Glauben, Hoffen und Sehen gehören zusammen. Der Advent war ein Versprechen: Doch nur etwas Geduld! – Bitte sehr!

Jetzt wollen wir es glauben! Das Dunkel hat ein Ende, das Licht ist da, unverkennbar. Der Zug rast und das Licht rast mit. Jetzt ist es unübersehbar, und ein paar Sekunden später wird es endlich hell.

Jean-Paul Lutz
Theologe und Buchautor

Homepage des Autors: Relatio



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