Attentat in München: Wieder falsche Bilder im Internet

Dieses Bild soll angeblich den Tatort in München zeigen. Es ist ein Fake Dieses Bild soll angeblich den Tatort in München zeigen. Es ist ein Fake

Wenige Minuten nach dem Attentat in München waren auf verschiedenen Facebook- und Twitter-Accounts erste Bilder zu sehen. Eine Rolltreppe, mehrere Verletzte (verpixelt) und Blutlachen. Gepostet haben das Foto angebliche Augenzeugen, oder Freunde von Freunden von Augenzeugen. Alles Blödsinn. Das Bild ist ein Fake. 

Es ist ein Phänomen. Und ich beobachte es regelmässig. Irgendwo auf der Welt passiert Schreckliches. Kurz darauf liefern die Sozialen Medien Bilder und Mutmassungen. Der Amok-Lauf beim Olympia-Einkaufszentrum (22. Juli 2016) ist das jüngste Beispiel. Das Online-Magazin «watson.ch» hat noch am Abend des Attentates darauf aufmerksam gemacht. Das Bild zeigt nämlich «den Tatort nach einer Schiesserei im südafrikanischen Johannesburg im Januar 2015. Damals war ein Raubüberfall mehrerer Täter schiefgegangen, sie schossen daraufhin auf diverse Menschen». (Link zum Originalbild)

Hirnamputierte Hohlköpfe

Welche hirnamputierten Hohlköpfe benützen (oder teilen) derartige Archivbilder auf Facebook und Twitter? Und warum? Ich weiss es nicht, vermute jedoch, dass sie über eine mangelhafte Medienkompetenz verfügen. Zudem könnte es sich um ein krankhaftes Aufplustern handeln. Ihre Botschaft: «Seht her, wie mega-affengeil-mässig ich bin. Ich habe bereits ein Bild vom Tatort. Und das will ich euch nicht vorenthalten.» Dabei ist das Ganze einfach nur abscheulich und Beweis für fehlende Reflexionsfähigkeit. Mein Tipp: Lasst die Profis arbeiten. Damit meine ich Polizei, Staatsanwaltschaft und seriöse Journalisten. 

Quelle nachprüfen

Wer sich derartige Peinlichkeiten ersparen will, der lässt das Teilen oder Weiterleiten sein. Wer das Posten aus echter Sorge oder Betroffenheit trotzdem für angebracht hält, der nehme sich die Zeit und überprüfe die Bildquelle. Das geht ganz einfach. Eine kurze Anleitung gibt es hier: Umgekehrte Bildersuche mit Google. Die spezielle Bildersuche listet ziemlich verlässlich auf, wo das Foto bereits publiziert worden ist.

Interview im Deutschlandfunk zum Thema

Der Deutschlandfunk hat das Thema differenzierter bearbeitet. Unter dem Titel «Man präsentiert irgendwelche Pseudo-News» gibt es ein Interview mit dem Medienwissenschaftler Bernhard Pröksen.

 

Letzte Änderung amSonntag, 24 Juli 2016 08:43

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