Dieser SVPler hat einen Schuss!

Jean-Luc Addor will die Schweiz bewaffnen. Foto: Blick/PETER GERBER Jean-Luc Addor will die Schweiz bewaffnen. Foto: Blick/PETER GERBER

Kein Zufall: Nach dem Attentat in München bringt Blick die Forderung von SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor gross heraus: «Schweizer, bewaffnet euch». Das Gesetz müsse angepasst werden, ist da zu lesen, damit viele Schweizerinnen und Schweizer sich bewaffnen, sich entsprechend ausbilden lassen – und die Waffe im öffentlichen Raum tragen und im Notfall auch benutzen dürfen.

Auch kein Zufall, dass dieses Verlangen aus der Küche von Pro Tell kommt. Der 1965 geborene Addor ist nämlich Vertreter der Romandie bei dieser Waffenlobby. Weite Teile der Bevölkerung ticken ähnlich. Vor allem jene rechts der Mitte. Und die Statistik lieferte jüngst sogar Zahlen. Laut SonntagsBlick (24. Juli 2016) ist die Zahl der Gesuche für einen Waffenerwerbsschein 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent gestiegen. Total waren es 29'146 Begehren. Wie viele davon bewilligt wurden, das entzieht sich meiner Kenntnis. Übrigens: in der Schweiz gibt es bei rund 8 Millionen Einwohnern etwa 2,5 Millionen legale Waffen − das ist einer der höchsten Pro-Kopf-Werte weltweit. Tendenz steigend, sogar bei den über 80jährigen, wie die «NZZ am Sonntag» kürzlich berichtet hat.  

Und jetzt will der Walliser Addor noch mehr Waffenträger und Waffenträgerinnen - vor allem auch in der Öffentlichkeit. Er meint nämlich, dass «die Staaten die Sicherheit ihrer Bürger nicht mehr garantieren können – so auch die Schweiz». So ein Blödsinn. Die Schweiz wird nämlich zunehmend sicherer. Die «NZZ am Sonntag» fasst das so zusammen: Es gibt weniger Einbrüche als vor fünf Jahren, weniger Raubüberfälle, weniger Körperverletzungen und weniger Tötungen. Die Häufigkeit dieser Delikte bestimmt in der Regel das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung. In der Regel, denn trotz der Abnahme fühlen sich mehr und mehr Schweizer unsicher und erwerben ein Gewehr oder eine Pistole.

Die Instant-Berichtertattung über Amok- und Terrorakte verstärkt das subjektive Unwohlsein. Das missbraucht der Walliser SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor für seine populistische Aktion. Wenn ich an den jüngsten Amok in München denke, dann gebe ich der SP-Sicherheitspolitikerin Chantal Galladé (ZH) recht, die sich im Blick wie folgt zitieren lässt:  «Unvorstellbar, wenn Passanten wild draufloszuballern begännen. Die Polizei könnte nicht mehr reagieren, weil sie nicht einmal mehr weiss, wer Täter ist und wen sie schützen muss.» Jeder schiesst plötzlich auf jeden - weil jeder für den Täter gehalten wird. 

Nein, Herr Addor & Co. Wir benötigen in der Schweiz keine Möchte-gern-Rambos, die in Wild-West-Manier um sich schiessen. Wir haben eine gut funktionierende Polizei. Und die macht ihren Job hervorragend. 

PS. Kurz bevor ich diese paar Zeilen schrieb, wurden vor der «Club Blu»-Disco in Fort Myers im US-Bundesstaat Florida zwei Menschen erschossen und 17 verletzt. Die Berner Zeitung hat darüber berichtet. Laut Amnesty International werden auf dieser Welt täglich 1000 Menschen durch private Waffen getötet.

Noch etwas zur Sicherheit und Terrorangst in Europa:

Letzte Änderung amMittwoch, 27 Juli 2016 14:27

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