Das Wort des Jahres ist gekürt

Wort des Jahres 2021: Impfdurchbruch

Das Wort des Jahres steht in Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie.
 |  Roland Peter  |  Geisteswissenschaften

Impfdurchbruch, iel, certificato und respect sind die Wörter des Jahres Schweiz 2021. Sie zeigen, worüber die Gesellschaft nachdenkt und was sie bewegt. ZHAW-Forschende nutzten die grösste Textdatenbank der Schweiz als Basis, die Jury entschied die Wahl.

Impfdurchbruch im Deutschen, iel im Französischen, certificato im Italienischen und respect im Rätoromanischen sind die Wörter des Jahres Schweiz. Auf den zweiten und dritten Plätzen folgen Starkregen und entfreunden, précarité und variants, urgenza und exploit sowie pazienza und tgira (siehe Box). „2021 haben diese Wörter den Diskurs in der Schweiz geprägt – wissenschaftlich belegt in der Textdatenbank und bestätigt durch die Wahl der vier Jurys aus Sprachschaffenden“, erklärt ZHAW-Sprachwissenschaftlerin Marlies Whitehouse, Leiterin der deutschsprachigen Jury und Koordinatorin des Projekts Wort des Jahres Schweiz.

In allen vier Landessprachen

2017 hat das Departement Angewandte Linguistik der ZHAW die Verantwortung für die Wahl des Wortes des Jahres übernommen. Seither erfolgt die Wahl mehrsprachig, forschungsbasiert und interaktiv. In Zusammenarbeit mit der Lia Rumantscha wird seit 2019 das Wort des Jahres Schweiz auch in Rätoromanisch gewählt. Für jede Sprache führt die Wahl über drei Stufen:

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler analysieren die Schweizer Diskursdatenbank Korpus Swiss-AL und bestimmen pro Sprache die rund 30 Wörter, die im Jahr 2021 häufiger oder deutlich anders verwendet wurden als in den Jahren zuvor. Dann wählt eine Jury von Sprachprofis aus dieser Liste, aus Publikumsvorschlägen und aufgrund eigener Erfahrung die drei markantesten Wörter. Und schliesslich zeigen die Forschenden auf, wie sich diese Wörter 2021 im Sprachgebrauch in der Schweiz entwickelt haben und für welche gesellschaftlichen Veränderungen sie stehen.

Die vier Jurys bestehen aus je rund zehn Sprachschaffenden aus der deutsch-, französisch-, italienisch- und rätoromanischsprachigen Schweiz. Für Datenbank und Projektleitung verantwortlich zeichnet das Departement Angewandte Linguistik der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW in Winterthur.

Mehr zum Wort des Jahres Schweiz: https://www.zhaw.ch/de/linguistik/wort-des-jahres-schweiz/

Platz 1: Impfdurchbruch

Die Impfung sollte den Durchbruch bei der Pandemie bringen und die Normalität wieder herstellen. So wurde es uns gesagt. Das Virus lässt sich aber nicht einfach wegimpfen, vielmehr bricht es immer wieder durch – sei es mit neuen Varianten oder eben mit sogenannten Impfdurchbrüchen. Die Menschen reagieren unterschiedlich darauf: Bei vielen beginnt Wut auszubrechen, einigen bricht der Boden unter den Füssen weg und sie geraten in eine Depression, während andere auf den Befreiungsschlag durch den Booster hoffen, der endlich den ersehnten Durchbruch bringen soll.

Platz 2: Starkregen

Auch wer mit wasserfesten Schuhen, funktionaler Regenbekleidung und Schirm unterwegs war, wurde nass in diesem Jahr. Die Meteorologen warnten uns alle paar Tage vor Starkregen, der ganze Landstriche im Wasser untergehen liess. Der Schweizer Sommer war geprägt von ungewöhnlich häufigen, sintflutartigen Regenfällen, während in anderen Teilen Europas täglich Hitzerekorde gebrochen wurden. All dies hat die Debatte um die Klimaerwärmung intensiviert, mit der bei uns, gemäss Voraussagen, vermehrt starker Regen herrschen wird.

Platz 3: entfreunden

Freundschaften wurden durch die Impfdebatte auf eine harte Probe gestellt. Plötzlich taten sich unüberwindbare Gräben auf zwischen Impfwilligen und Impfverweigerern. So unvereinbar und unverhandelbar schienen die Standpunkte in manchen Fällen, dass man sich entfreundete. Das Wort, das mit dem Aufkommen von Social Media geläufig wurde, bezeichnet das Aufkünden der Freundschaft durch Anklicken eines Buttons. Entfreundet hat man sich aber nicht nur im Privaten: Das Virus hat auch im gesellschaftlichen Gefüge zu Brüchen geführt.



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